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Streitpunkt PR bei Wikipedia

PR-Artikel bei Wikipedia – ein Thema, das in der PR- und Online-Welt seit Monaten heiß diskutiert wird.

Anfang Oktober 2013 berichtet die amerikanische Website „Daily Dot“ von einem riesigen Netzwerk an falschen Wikipedia-Profilen. Diese sollen verwendet worden sein, um Artikel über Unternehmen und Personen zu schönen – und das gegen Bezahlung. Sue Gardner, die Leiterin der Wikimedia-Stiftung, die hinter dem Online-Nachschlagewerk steht, nahm darauf in einem Blog-Artikel Bezug. Sie teilte mit, dass bezahlte Artikel den grundlegenden Werten der Wikipedia als neutrale Quelle widersprechen würden. Als Folge wurden über 250 User-Accounts gesperrt.

Deutsche Profile sind, laut einer Sprecherin der deutschen Wikimedia-Stiftung gegenüber der dpa, nicht von der Sperrung betroffen. Das heißt jedoch nicht, dass in der deutschen Version des Online-Nachschlagewerks keine PR zu finden ist. Im Januar 2013 übte beispielsweise die „Wirtschaftswoche“ Kritik an FDP-Politiker Christian Lindner. Dessen Wikipedia-Eintrag sei 2012 „auffallend oft zum Positiven verändert worden“, so das Blatt. Auch in der ARD-Sendung „Monitor“ vom 30. Januar 2014 war Wikipedia ein Thema. So wurde z. B. berichtet, dass im Artikel zum Luftverkehr ein Absatz über Gesundheitsgefahren von Fluglärm entfernt wurde. Von einem Rechner der Lufthansa.

Es sind diese Negativbeispiele, die User empören und Unternehmen verunsichern. Wer jedoch transparent arbeitet, muss nicht befürchten, dass seine Wikipedia-Artikel gesperrt und als unseriöse PR gebrandmarkt werden. Laut einer Abstimmung der deutschen Wikipedia Ende Oktober 2013, haben die meisten Autoren kein Problem damit, wenn PR-Leute Artikel editieren. Zumindest solange diese sich an die Regeln halten.

Transparenz und Quellenarbeit sind die wichtigsten Schlagworte. Die Wikipedia-User müssen in der Lage sein, sämtliche Inhalte zu überprüfen. Firmenwebsites sind dabei als Quellen nur bedingt geeignet, da ihnen mangelnde Neutralität vorgeworfen wird. Unter speziellen Umständen – wenn z. B. keine geeigneteren Quellen verfügbar sind – dürfen sie dennoch verwendet werden. Jedoch ist dabei zu beachten, dass Selbstdarstellungen von Unternehmen nicht unreflektiert verwendet werden und die Unternehmen als Urheber bzw. Quelle ausgezeichnet werden.

PR und Wikipedia, das wird auch sicher weiterhin zu kontroversen Diskussionen in den Medien und der Netzgemeinde führen. Doch scheinen zumindest die deutschen Wikipedia-User eher gelassen damit umzugehen.